Es gibt ein paar Sachen, die muß man selbst ausprobiert haben, um ihre Essenz zu verstehen. Angeln und Fischen gehören zu diesen kleinen Freuden des Lebens. Seefischerei bietet noch dazu Gelegenheit für eine Ausfahrt auf das Meer.

Die Fischerboote "L'Ami du Pêcheur" und die "Mephisto IV" laufen vom Hafen in Saint Gilles Croix de Vie aus und erlauben ihren Passagieren, einen Seefischereitag mit der Familie oder im Kreis von Freunden zu genießen. Ob der Fang groß oder klein ausfällt, er gibt immer ein Gefühl des Erfolgs - ein großer Sieg für einige, eine große Leistung für andere.

Mein erster Tag beim Seeangeln 

Es ist 6:45 Uhr. Die Straßenlampen brennen noch und der Kirchturm von Saint Gilles kitzelt einen rosa-orangen Himmel. Am Horizont gewinnt die Helligkeit langsam die Überhand. Ich bin im Begriff, meine erste Seefischerei-Partie zu erleben und die Schönheit des Sonnenaufgangs hilft mir, meine Anfänger-Ängste zu überwinden.

Der Fischereihafen Saint-Gilles-Croix-de-Vie ist aus seiner nächtlichen Ruhe erwacht. Ein paar Boote, die am Abend zuvor ausgelaufen sind, kommen zurück; an Bord zappeln noch die frischgefangenen Fische. Ein paar gutinformierte Kunden stehen auch schon mit ihren Einkaufskörben bereit. Der Direkverkauf findet frühmorgens statt; er garantiert eine nicht zu überbietende Frische.

Ich gehe an Bord des "Ami du Pêcheur" -  ein echter Reusenfischer mit einer Länge von 12 Metern. Nachdem es lange Zeit für die Reusenfischerei von rosa Garnelen benutzt wurde, hat das Holzboot vor einigen Jahren ein neues Leben begonnen, um Urlauber und Liebhaber aus der Umgebung in die Seefischerei einzuführen. Dazu wurde es sogar mit bequemen Bänken ausgestattet, die den Passagieren einen guten Sitzplatz beim Angeln mit Ausblick auf das Meer bieten.

L’Ami du Pêcheur macht die Leinen los. Die etwa zwanzig Passagiere verteilen sich in aller Ruhe auf Deck.

Die Angelpartien finden über felsigen Untiefen oder über fischreichen Schiffswracks  in einem Umkreis von etwa 12 Seemeilen (ungefähr 25 Kilometer) vor Saint Gilles Croix de Vie statt. Schon bald werden wir von einer stattlichen Anzahl von Seemöwen verfolgt. Der Radar bestätigt, daß wir uns fischreichen Gewässern nähern. Wir werfen die Angeln aus.

Wir müssen nicht lange warten, schon bald spannen sich die Leinen unter dem Gewicht der anbeißenden Fische. Eine erste Makrele wird an Bord gezogen, und die ersten Ausrufe des Triumphs lassen sich hören. Natürlich gibt es auch Pannen und verwickelte Leinen, ein paar verlorenegegangene Köder, aber alle sind vom Eifer erfasst, und auch hier gilt das Sprichwort: man wird nur zum Angler, wenn man angelt … Langsam füllen sich die Behälter auf Deck mit unseren Fängen.

L’Ami du Pêcheur fährt uns zu verschiedenen Fischgründen. Makrelen und  Stöcker sind in Scharen zum Rendez-vous erschienen. Auf dem Rückweg werden die gefangenen Fische gewaschen und ausgenommen, damit sie gleich grillbereit sind, wenn wir anlegen. Rezepte werden ausgetauscht. Die Freude am Angeln wird schon bald der Freude am guten Essen weichen …